Ertrinkungsunfall

Liebe Eltern,

Wasser übt eine ungemeine Anziehungskraft auf Kinder aus. Die Gefahren werden leider häufig unterschätzt. Für Kleinkinder können schon Wassertiefen von wenigen Zentimetern zur tödlichen Gefahr werden. Ertrinken ist in Deutschland nach Verkehrsunfällen die zweithäufigste tödliche Unfallursache im Kindesalter. Die meisten Kinder ertrinken nicht während des Badeurlaubes, sondern beim Spielen in der häuslichen Umgebung. Lassen Sie Ihre Kinder niemals unbeaufsichtigt in der Nähe von Gewässern oder im Schwimmbad! Heimische Schwimmbecken oder Gartenteiche sollten durch einen Schutzzaun gesichert werden. Auch die vermeintlich ungefährliche Badewanne oder das Planschbecken können gefährlich werden.

• Lassen Sie Ihr Kind nicht unbeaufsichtigt in der Badewanne
• Lassen Sie Ihre Kinder in der Nähe von Gewässern nie unbeaufsichtigt
• Melden Sie Ihr Kind in einem Schwimmkurs an oder bringen Sie es ihm selber bei!
• Sichern Sie Teiche, Schwimmbecken und Regentonnen ausreichend ab

Sollte es zu einem Ertrinkungsunfall kommen:

Retten Sie das Kind aus dem Wasser

Legen Sie es mit dem Rücken auf den Boden

Versuchen Sie nicht Wasser aus der Lunge des Kindes zu bekommen!

Überprüfen Sie die Atmung und den Bewußtseinszustand Ihres Kindes

Bei normaler Eigenatmung bringen Sie Ihr Kind in die Seitenlage und veranlassen die umgehende Alarmierung des Rettungsdienstes.

Lassen Sie Ihr Kind nicht alleine. Überprüfen Sie fortlaufend den Bewußtseinzustand und die Atmung Ihres Kindes.

Können Sie keine normale Atmung bei Ihrem Kind feststellen:

beginnen Sie mit 5 initialen Beatmungen.

Erfolgt keine Reaktion beginnen Sie mit der Wiederbelebung/Reanimation:
30 Thoraxkompressionen und 2 Beatmungen im Wechsel (analog zur Wiederbelebung/Reanimation Kind)

Alarmierung des Rettungsdienstes (Tel.: 112): Der Rettungsdienst sollte so früh wie möglich alarmiert werden. Wenn Sie alleine sind, erfolgt die Alarmierung des Rettungsdienstes erst nach einer Reanimationsdauer von einer Minute oder parallel mittels Freisprechfunktion eines Mobiltelefons.

Expertentipp

von Karsten Theiß
Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) e.V.
Bundesbeauftragter Medizin | Arzt
Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin • Taucherarzt (GTÜM)

Gerne möchten Sie Ihre Freude am Wassersport, den Badeausflug oder auch den Strandurlaub gerne mit Ihren Kindern teilen. Kindern bereitet dieses zumeist auch großen Spaß.
Damit der Spaß ungetrübt ist, sollten Sie mit Ihren Kindern nur da Baden gehen, wo Sie die Badestelle sehr gut kennen oder wo eine öffentliche Badestelle, am besten mit Badeaufsicht durch Rettungsschwimmer / Schwimmmeister, ausgewiesen ist.
Keinesfalls sollten Sie Badestellen auswählen, bei denen Boots-/Schiffsverkehr herrscht, das Wasser nur über steile Ufer oder Leitern erreicht werden kann. Diese Badestellen sind für Kinder ungeeignet.
Sollten Sie selbst schon länger nicht mehr an einer natürlichen Badestelle gewesen sein, so machen Sie sich zunächst erneut mit den Gegebenheiten vertraut bevor Sie mit Kindern in das Wasser gehen. Bodenbeschaffenheiten und damit Tiefen sowie Strömungsverhältnisse können sich mit der Zeit verändern.
Wenn von Badeaufsichten Einschränkungen des Badens, z.B. gelbe oder rote Flaggen, angezeigt werden, sollten Sie mit Kindern nicht ins Wasser gehen. Die Aufsichten kennen die örtlichen Verhältnisse sehr genau und sprechen solche Einschränkungen nicht leichtfertig aus. Denken Sie hierbei auch an Ihren Vorbildcharakter.
Kinder gehören nicht nur im Wasser sondern auch in der Nähe des Wassers, z.B. Sandburg bauen im Brandungsbereich, ununterbrochen durch Eltern oder andere Sorgeberechtigte beobachtet. Auch anwesende Badeaufsichten können diese Aufgabe nicht übernehmen, sondern sind zusätzlich zu Ihrer Aufsicht und Sicherheit da.
Im Wasser sollten Nichtschwimmer nur in Begleitung von Eltern bzw. Erwachsenen sein und nicht tiefer als bis zur Hüfte / Bauchnabel ins Wasser gehen. Wenn am Meer Wellen vorhanden sind, sollte auch immer ein direkter Körperkontakt zwischen Kind und Eltern bestehen. Man unterschätzt oft, wie leicht der Brandungssog die Kinder von den Füßen ziehen kann.
Auch junge Schwimmer (Seepferdchen) sollten fortlaufend unter der Beobachtung von Eltern sein, auch, wenn diese sich bei ruhigem flachen Wasser ohne Strömung mal kurz selbst ins Wasser begeben können. Ein Auge ist aber immer nötig und die Möglichkeit sofort eingreifen zu können.

Erst Kinder die 15 Minuten am Stück schwimmen können (Deutsches Jugendschwimmabzeichen Bronze, früher „Freischwimmer“) gelten als sichere Schwimmer. Aber auch bei diesen schadet es nicht immer mal ein Auge zu haben.

BroschüreReanimation bei Kindern“ zum Download [PDF]