Liebe Eltern,

uns ist es ein wichtiges Anliegen Ihnen die lebensrettenden Maßnahmen im Falle von Verschlucken/Ersticken bei Kindern und Säuglingen zu vermitteln.

Viele Kindernotfälle die durch Ersticken oder Verschlucken passieren sind vermeidbar!

Die Maßnahmen sind einfach zu erlernen und anzuwenden. Im Fall der Fälle sollten Sie in der Lage sein Ihr Kind zu retten! Auf unserer Seite finden Sie alle wichtigen Informationen rund um das Thema Verschlucken/Ersticken. Investieren Sie einige Minuten Ihrer Zeit in die Sicherheit Ihres Kindes und lesen Sie unsere Informationen. Bei akuter Luftnot gilt es rasch zu handeln. Haben Sie in diesem Moment keine Angst etwas falsch zu tun oder Ihr Kind zu verletzen. Bitte beachten Sie die unterschiedlichen Vorgehensweise bei Kinder unter einem Jahr und älteren Kindern.

Wenn Sie Fragen haben, können Sie sich jederzeit an uns wenden.

Ihr

Dr. Till Dresbach
Universitätsklinikum Bonn

Verschlucken bei Kindern und Babys
Fremdkörper wird verschluckt und gelangt in den Magen

Kinder und Babys „begreifen“ in den ersten Lebensjahren ihre Umwelt. Dazu gehört das alle Gegenstände die in Reichweite eines Kindes kommen, in die Hand und auch in den Mund genommen werden. Gerade in den ersten vier Lebensjahren besteht die Gefahr, daß ein Gegenstand verschluckt wird. Häufig sind dies kleine Kunststoffteile von Spielzeugen oder Gegenstände aus dem Haushalt (Münzen, Knöpfe, Heftklammer etc.). Gelangen diese Gegenstände in den Magen werden diese meist über den natürlichen Wege ausgeschieden. Häufig sind keine Maßnahmen notwendig. Aber nicht alle Gegenstände können problemlos ausgeschieden werden. Gefährlich sind v.a. Knopfbatterien und verschluckte Magnete.  Sollten Sie sich nicht sicher sind, ob eine Gefährdung für Ihr Kind besteht, können Sie sich rund um die Uhr bei der Informationszentrale gegen Vergiftungen (Tel.: 0228-19240) informieren. Sie werden dort jederzeit von einem Arzt beraten. Der Anruf ist für Sie kostenlos.

Ersticken bei Kindern und Babys
 Fremdkörper gelang in die Lunge oder vor die Stimmbänder (Luftnot!)

Wenn sich die Gegenstände vor die Luftröhre legen oder in die Lunge gelangen, besteht die akute Gefahr des Erstickens. Das Eindringen von Fremdkörpern in die Atemwege nennt der Mediziner „aspirieren“. Dadurch kann es zu einer teilweisen oder kompletten Verlegung der Atemwege kommen. Fremdkörperaspirationen können zu akut lebensbedrohlichen Verlegungen der Atemwege führen. Meist kann der aspirierte Fremdkörper in der Klinik im Rahmen einer Lungenspiegelung (Bronchoskopie) wieder entfernt werden.

Sollte Ihr Kind jedoch Atemnot bekommen müssen Sie rasch und beherzt handeln!

(v. l.) Prof. Andreas Müller, Direktor der Neonatologie/Kinderintensivmedizin am Universitätsklinikum Bonn, Dr. Till Dresbach, Leitender Oberarzt Neonatologie/Kinderintensivmedizin, und Dr. Thorsten Send, Oberarzt Hals-Nasen-Ohren-Klinik mit dem Befund einer Video-Bronchoskopie nach Aspiration (unabsichtliche Einatmung) eines vier Millimeter großen Nussstücks durch ein Kleinkind

Warum sind Kleinkinder besonders gefährdet?

• Das Gebiss ist noch nicht voll ausgebildet.
• Der Schluckreflex ist noch unkoordiniert.
• Kinder lassen sich leicht ablenken.
• Kleinkinder stecken fast alles in den Mund.

Gefährliche Nahrungsmittel:

• Nüsse/Kerne
• ganze Trauben
• Blaubeeren
• rohes Gemüse (v.a. Möhren)
• Bonbons, Gummibärchen, Kaugummi

Gefährliche Alltagsgegenstände:

• Münzen
• Murmeln
• Kopfbatterien
• kleine Magnete
• kleine Spielzeugteile

Wie können wir Kinder schützen?

• Kinder nie unbeaufsichtigt essen lassen.
• Gegessen wird nur im Sitzen.
• Keine Snacks beim Spielen.
• Keine Nüsse für Kinder unter 6 Jahren.
• Trauben immer vierteln.
• Größeren Geschwistern erklären welche Spielsachen gefährlich sind.

Gefahr durch Knopfbatterien/Knopfzellen

Verschluckte Knopfbatterien können zu lebensgefährlichen Verletzungen führen, v.a. wenn die Knopfbatterie in der Speiseröhre stecken bleibt. Durch den Kontakt der Batterie mit den feuchten Schleimhäuten kommt es zu Stromfluss und sogenannte Hydroxid-Ionen (die finden sich normalerweise in Abfluss- oder Backofenreiniger) werden gebildet. Es kommt schon nach wenigen Stunden zu einer Laugenverätzung und einer möglichen Perforation der Speiseröhre. Wenn die Knopfbatterie länger in der Speiseröhre verbleibt, können auch die angrenzenden Blutgefäße und die Luftröhre betroffen sein. Dies ist dann ein absoluter Notfall. Deshalb ist es wichtig verschluckte Knopfbatterien so schnell wie möglich wieder zu entfernen. Dies geschieht mit einem Gastroskop (ein kleiner Schlauch mit Kamera und Greifzange). Besonders größere Knopfbatterien (> 20 mm) sind gefährlich, hier die Gefahr des Steckenbleibend in der Speiseröhre am größten ist.

Mögliche Symptome einer verschluckten Knopfbatterie können plötzlicher Husten, Schluckbeschwerden, Nahrungsverweigerung oder Speicheln.

Wenn eine Knopfbatterie verschluckt muss Dein Kind umgehend (!) in einer Kinderklinik untersucht werden. Hier kann untersucht werden, wo sich die Batterie genau befindet und die Batterie kann schnell entfernt werden.

ABER: So weit muss es aber gar nicht kommen, wenn Du folgende Punkte beachtest:
  • Wissen, dass Knopfbatterien gefährlich für Deine Kinder sind!
  • Knopfbatterien außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren
  • Geräte mit Knopfbatterien zusätzlich sichern, damit Deine Kinder die Batterie nicht selbständig herausholen können
  • Alte Knopfbatterien sicher aufbewahren und umgehend in den Sammelstellen entsorgen
Gefahr durch Magnete

Wenn Kinder Magnete verschlucken, kann dies zu schweren Darmverletzungen führen. Wenn zwei Magnete verschluckt werden, kann zwischen den Magneten die Darmwand eingeklemmt werden. Dadurch kommt es zu einer Durchblutungsstörung des Darmes und möglicherweise zum Absterben des Darmteiles. Damit man sich das vorstellen kann, habe ich ein kleines Modell aus einem alten Fahrradschlauch gebastelt, der den Darm darstellen soll. Ich war selbst überrascht, wie viel Anziehungskraft diese kleinen Magnetkugel haben. Ein Fahrradschlauch ist relativ dick und die beiden Magnete halten die beiden Enden des Fahrradschlauches fest zusammen. Ein Kinderdarm ist deutlich dünner und zarter und braucht eine gute Durchblutung. Ist Darm zwischen den Magneten eingeklemmt, kann dieser Anteil nicht mehr durchblutet werden. Mögliche Symptome sind Bauchschmerzen, Erbrechen, Verstopfung. Häufig kann nur ein Röntgenbild im Krankenhaus die Diagnose sichern. Ich hoffe ich konnte zeigen, wie gefährlich Magnetspielzeug für Kinder ist. Alle Magnete, die verschluckt werden können, sind ein absolutes Tabu für Kinder!

Lebensgefährliche Nüsse

Nüsse (v.a. Erdnüsse) und Ölsaaten (Sonnenblumenkerne u.ä.) können für Kinder unter fünf Jahren eine lebensbedrohliche Gefahr darstellen. Aufgrund ihrer glatten und öligen Oberfläche können Sie leicht in die Atemwege und die Lunge gelangen. Wenn Fremdkörper in die Lunge gelangen, sprechen Mediziner von Aspiration. Die Nüsse/Nussteile/ Ölsaaten rutschen durch die Atmung und die Schwerkraft in tiefere Abschnitte der Atemwege und verlegen dort Abschnitte der Lunge. Kinder bei denen Fremdkörper in die Lunge gelangen, haben häufig Husten, eine angestrengte Atmung oder akute Luftnot. Wenn der Verdacht besteht, dass eine Nuss oder Ölsaaten (oder Teile davon) in die Lunge gelangt sind, sollte das Kind umgehend in einer Kinderklinik vorgestellt werden. Bei geringstem Anhalt für Luftnot, ist umgehend der Rettungsdienst (Tel. 112) zu informieren! Neben der akuten Verlegung der Atemwege kommt es durch den Kontakt der öligen Oberfläche der Nüsse/ Ölsaaten zu einer massiven Lungenentzündung.

ABER: So weit muss es aber gar nicht kommen, wenn Du folgende Punkte beachtest:
  • Ganze Nüsse oder Ölsaaten sind für Kinder unter 5 Jahren tabu!
  • Besondere Gefahr geht von Erdnüssen aus, da die Schale auch für
  • Kinder leicht zu knacken ist
  • Gemahlene Nüsse sind ungefährlich
  • Nüsse sollten nur unter Aufsicht, im Sitzen und in ruhigen Situationen verzehrt werden
  • Nüsse sind keine geeigneten Snacks für Autofahrten!

Notfallmaßnahmen bei Verschlucken/Ersticken

Ermuntern Sie Ihr Kind weiter zu Husten. Ein spontaner Hustenstoß ist  immer effektiver und sicherer als jedes durch einen Helfer ausgeführte Manöver. Halten Sie  Ihr Kind bei vornüber gebeugten Oberkörper und ermuntern es zu weiterem Husten.

Zeichen für einen effektiven Husten bei Ihrem Kind sind: Schreien, Weinen, lauter Husten, Einatmen vor dem Husten, Ihr Kind ist wach und ansprechbar

Bleibt der Husten aus oder er ist ineffektiv, sind die Atemwege wahrscheinlich komplett verlegt. Jetzt müssen sie rasch und beherzt handeln! Rufen Sie um Hilfe und prüfen Sie die Bewußtseinslage des Kindes. Ist das Kind noch bei Bewußtsein, verabreichen Sie 5 Schläge auf den Rücken.

Zeichen für einen ineffektiven Husten bei Ihrem Kind sind: keine Stimme, leiser oder stiller Husten, Zyanose (bläuliche Verfärbung der Haut), zunehmender Bewußtseinsverlust

Verschlucken/Ersticken: Babys (Säugling, Kinder unter einem Jahr)

Rückenschläge beim Säugling

  • Halten Sie den Säugling in Bauchlage mit dem Kopf nach unten, damit die Entfernung des Fremdkörpers durch die Schwerkraft unterstützt wird.
  • Der Kopf des Säuglings muss durch eine Hand gestütz werden, indem Sie ihn am Kieferwinkel halten.
  • Drücken Sie dabei nicht auf den Hals, dies führt zu einer weiteren Behinderung der Atemwege.
  • Verabreichen Sie mit dem Handballen bis zu 5 kräftige Schläge auf die Mitte des Rückens zwischen die Schulterblätter.
  • Das Ziel besteht darin, die Verlegung mit jedem einzelnen Schlag zu beseitigen, und nicht, alle 5 Schläge zu verabreichen.
  • Bei Kindern über einem Jahr wird prinzipiell in gleicher Weise vorgegangen. Kann das Kind aufgrund seiner Größe nicht mehr auf dem Schoß des Helfers kopftief gelagert werden, bringen Sie es in eine vornüber gebeugte Position und verabreichen so die Rückenschläge.

Thoraxkompressionen beim Säugling/Kind

      • Führen die Rückenschläge zu keiner Besserung, führen Sie bei Säuglingen Thoraxkompressionen durch.  Drehen Sie den Säugling in Rückenlage mit dem Kopf nach unten. Legen Sie dazu Ihren freien Arm auf den Rücken des Kindes und umfassen mit der Hand den Hinterkopf des Kindes.
      • Der Druckpunkt zur Kompression ist die Mitte des Brustbeines.
      • Verabreichen Sie 5 Kompressionen wie bei der Herzdruckmassage. Drücken Sie etwas kräftiger und etwas langsamer.Durch den entstehenden Druck wird versucht den Fremdkörper zu lösen.
      • Bei Kindern unter einem Jahr darf das Heimlich-Manöver nicht (!) angewendet werden. Es besteht die Gefahr der Leberverletzung!
      • Nach der Anwendung von Rückenschlägen und/oder Thoraxkompression sollte körperliche Untersuchung durch einen Kinderarzt erfolgen.

Verschlucken/Ersticken: Kinder über 1 Jahr

Wenn Ihr Kind den verschluckten Gegenstand nicht selbständig aushusten kann, müssen Sie rasch reagieren! Verabreichen Sie mit dem Handballen bis zu 5 Schläge zwischen die Schulterblätter. Das Ziel besteht darin, den Fremdkörper mit jedem einzelnen Schlag zu beseitigen und nicht unbedingt alle 5 Schläge zu verabreichen.

Haben Sie keine Angst etwas falsches zu tun! Sie können Ihrem Kind nur helfen, wenn Sie schnell reagieren!

Wenn es nicht gelingt den Fremdkörper mithilfe der Rückenschläge zu entfernen, können Sie den „Heimlich-Handgriff“ anwenden.


Nur bei Kindern erfolgt das sogenannte Heimlich-Manöver oder Heimlich-Handgriff. Bei kleineren Kindern droht Verletzungsgefahr!


So gehen Sie vor:
1. Stehen oder knien Sie hinter Ihrem Kind.

2. Beugen Sie Ihr Kind nach vorne (damit der Fremdkörper „frei herausfallen kann“)

3. Ballen Sie die Faust und platzieren Sie die Faust zwischen Bauchnabel und Unterrand des Brustbeines.

4. Umfassen Sie die Faust mit Ihrer anderen Hand und ziehen Sie kräftig nach innen oben.
Wiederholen Sie diesen Vorgang 5 Mal.

Wichtig: Kein Heimlich-Manöver bei Kinder unter einem Jahr!
Nach der Anwendung des Heimlich-Manövers sollte umgehend eine Untersuchung durch einen Kinderarzt erfolgen.

Hier finden Sie alle wichtigen Themen zur Ersten Hilfe am Kind und Kindernotfällen: