Kinder-Hausapotheke: Was brauche ich wirklich zu Hause oder unterwegs?

Dr. Till Dresbach ist Oberarzt der Abteilung Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin am Universitätsklinikum Bonn und ärztlicher Leiter von Kindernotfall Bonn.

Liebe Eltern,

was gehört in eine Kinder-Hausapotheke? Wir geben Ihnen einen Überblick über die Dinge und Medikamente die Sie auf jeden Fall zu Hause haben sollten. Eine gut sortierte und durchdachte Kinder-Hausapotheke ist im Fall der Fälle unbezahlbar (meistens nachts oder am Wochenende) und spart häufig auch einen Gang zum Kinderarzt. Alle Bestandteile sollten mit Bedacht ausgewählt werden, da Medikamente nur begrenzt haltbar sind und häufig ungebraucht entsorgt werden müssen. Auch sollten Sie wissen, dass Medikamente im Kindesalter je nach Alter und Gewicht unterschiedlich dosiert werden und verabreicht werden. Beim Kaufen der Medikamente sollten Sie in Ihrer Apotheke immer das günstigste Präparat verlangen. Der Wirkstoff ist identisch, aber die Preise können ganz erheblich von Hersteller zu Hersteller variieren. Wenn Sie Fragen haben schreiben Sie uns kindernotfall@ukbonn.de!

Passen Sie gut auf sich und Ihre Familie auf!

Ihr Dr. Till Dresbach

Medikamente in der Kinder-Hausapotheke

Fiebersaft bzw. -zäpfchen (Wirkstoff: Ibuprofen/Paracetamol)
Ibuprofen wirkt schmerzstillend, fiebersenkend und entzündungshemmend. Ibuprofen wird als Saft oder Zäpfchen und in verschiedenen Wirkstoffkonzentrationen angeboten. Ihr Apotheker wird Sie bezüglich der richtigen Konzentration und besten Darreichungsform beraten. Bitte beachten Sie zur Dosierung und möglichen Häufigkeit der Anwendung die Packungsbeilage oder fragen Sie Ihren Kinderarzt oder Apotheker.

Nasentropfen/Nasenspray (Wirkstoff: Xylometazolin, Oxymetazolinhydrochlorid)
Die Wirkstoffe in abschwellenden Nasentropfen/-sprays bewirken eine Abschwellung der Schleimhaut bei Schnupfen und führen zu einer Erleichterung des Sekretabflusses. Nasentropfen/-sprays werden in verschiedenen Konzentrationen für Säuglinge, Kinder und Erwachsene angeboten. Ihr Apotheker wird Ihnen bei der Auswahl der richtigen Konzentration behilflich sein. Bitte beachten Sie zur Dosierung und möglichen Häufigkeit der Anwendung die Packungsbeilage oder fragen Sie Ihren Kinderarzt. Achten Sie bitte gerade bei Säuglingen und Kleinkindern auf die für das jeweilige Alter vorgesehene Konzent- ration und die exakte Dosierung, da es bei Überdosierung zu Vergiftungserscheinungen kommen kann! Als Faustregel bei abschwellenden Nasentropfen gilt: Anwendungsdauer so kurz wie möglich!

Isotonische Kochsalzlösung (NaCl 0,9%)
In vielen Fällen reichen bereits einige Tropfen Kochsalzlösung aus. Die isotonische Kochsalzlösung (NaCl 0,9%) ist kostengünstig, natürlich und enthält keine Konservierungsstoffe. Auch bei längerer Anwendung kommt es hier nicht zu einer Schädigung der Nasenschleimhaut Ihres Kindes. Die als „Meersalz-Sprays“ verkauften Produkte sind oft teuer und enthalten meist nicht mehr als isotonische Kochsalzlösung.

Orale Rehydratationslösung (z.B. Oralpädon oder Elotrans; bei beiden Präparaten handelt es sich um eine Kombination aus Elektrolyten und Glucose)
Bei Durchfallerkrankungen und häufigem Erbrechen können Kinder schnell viel Flüssigkeit verlieren. Fertige Traubenzucker-Mineralsalz-Gemische helfen die Flüssigkeits- und Elektrolytverluste ausgewo- gen auszugleichen. Eine frühzeitige Verabreichung dieser fertigen Lösung beeinflusst den Krankheits- verlauf positiv. Die oralen Rehydratationslösungen werden in verschiedenen Geschmacksrichtungen (Erdbeere, Apfel, Banane, neutral) angeboten. Diese Lösungen schmecken trotzdem nicht besonders gut, sind aber extrem hilfreich, die bei Kindern teilweise recht ausgeprägten Flüssigkeitsverluste zu kompensieren. Leicht gekühlt und löffelweise lässt sich die Lösung ggf. leichter verabreichen.

Wunddesinfektionsmittel (z.B. Octenisept)
Bei normalen oberflächlichen Schürfwunden bei Kindern sind keine Wunddesinfektionsmittel notwen- dig. Wunden können mit der in der Kindernotfallbox enthaltenen isotonischen Kochsalzlösung (NaCl) ausgespült und anschließend mit einem Pflaster oder einem sterilen Wundverband versorgt werden. Unser Immunsystem ist dafür ausgelegt, mit Verletzungen zurechtzukommen. Abgesehen davon beeinträchtigen Wunddesinfektionsmittel die körpereigenen Wundheilungsprozesse. Möchten Sie dennoch Wunddesinfektionsmittel zu Hause haben, empfehlen wir Ihnen Octenisept für Schleimhäute. Es brennt nicht in der Wunde und kann auch bei Säuglingen bedenkenlos eingesetzt werden.

Was sie sonst noch zu Hause oder unterwegs dabei haben sollen:
  • Digital-Fieberthermometer
  • Splitter-/Zeckenpinzette
  • Sofort-Kälte-Kompresse
  • Kalt-/Warm-Kompresse
  • Zahnrettungsset BONN
  • NaCl-Ampullen
  • Verbandschere
  • Wundpflaster (zum Selberschneiden)
  • Kinderpflasterstrips mit Tieren (10 Stück)
  • Klammerpflasterstreifen steril (1×5 Stück)
  • Pflasterbinde/Fingerverband
  • Elastische Fixierbinde
  • Einmalhandschuhe
  • Wundverband steril klein
  • Wundverband steril mittel
  • Vlieskompressen steril klein (1×2 Stück)
  • Vlieskompressen steril mittel (1×2 Stück)
  • Vlieskompressen steril groß (1×2 Stück)Spuckbeutel/Kotztüte
  • Rettungsdecke
  • Kindernotfallkarte
  • Kindernotfallpass
  • Gummibärchen (!!!)
  • Notfall-Ratgeber 
Hier finden Sie alle wichtigen Themen zur Ersten Hilfe am Kind und Kindernotfällen: