Zahnunfälle

Liebe Eltern,    

Zahnunfälle nehmen in ihrer Häufigkeit weltweit zu. Bereits jedes dritte bis vierte Kind hat bis zu seinem 16. Lebensjahr einen Zahnunfall erlitten. Meist sind durch Unfall die oberen Schneidezähne betroffen.
Durch richtiges Verhalten nach Zahnunfällen können die Folgen beträchtlich gemildert werden.

Ein Zahn ist ausgeschlagen (Zahnavulsion, Avulsion)
Dies ist die schlimmste Zahnverletzung, für den Zahn besteht höchste Gefahr. Grundsätzlich können ausgeschlagene Zähne zurückgepflanzt werden und wieder normal einwachsen. Allerdings darf ein Zahn nicht mehr als 20-30 Minuten trocken sein!
Ausgeschlagene Zähne müssen sofort gesucht und in ein zellverträgliches Medium (Zahnrettungsbox) eingegeben werden! Zahnarzt aufsuchen! Der Zahnarzt wird einen ausgeschlagenen Zahn wieder zurücksetzen und schienen.

Grundsätze:
Die Wurzeloberfläche darf nicht austrocknen.
Der Zahn muss sofort feucht gehalten werden.
Die Wurzeloberfläche darf nicht berührt werden.
Die Wurzeloberfläche darf nicht desinfiziert werden.
  
Zahn suchen!
Zahn sofort in ein spezielles Nährmedium eingeben (Zahnrettungsboxen: z.B. SOS Zahnbox oder Dentosafe).


Wenn keine Zahnrettungsbox vorhanden ist:

  • H-Milch: für begrenzte Zeit kann ein ausgeschlagener Zahn in Sterilmilch gelagert werden diese sollte fettarm und gekühlt sein (Zwischenlösung für max. 1-2 Stunden)
  • Kunststoff-Folie: Zahn zum Feuchthalten in Kunststoff-Folie (Gefrierbeutel usw.) einwickeln (Zwischenlösung für max. 30-60 Min.)
  • Kochsalz-Lösung (NaCl 0,9%): vom Apotheker/Arzt – nicht selbst mischen (Zwischenlösung für max. 30 Min.)

völlig ungeeignet: normales Wasser, trockene Aufbewahrung, Speichel


Falsches Lagern und falsches Behandeln führen sehr schnell zu umfangreichem Gewebstod und zu Heilungskomplikationen. Ganz schlecht sind Trockenlagern oder Aufbewahren in Wasser; innerhalb von Minuten sterben die Gewebe vollständig ab. Es ist mit schlechteren Heilungsergebnissen zu rechnen! Daher sollte der ausgeschlagene Zahn so schnell wie möglich – jede Minute zählt – in eine Zahnrettungsbox umgelagert werden.


Vorsicht: Beim Lagern unter der Zunge / in der Wangentasche besteht die Gefahr, dass der Zahn verschluckt oder gar eingeatmet wird. Dies kann lebensbedrohlich sein.


Wenn unmittelbar keine Zahnrettungsbox zur Verfügung stand und der Zahn mit einer der oben genannten Methoden gerettet wurde:
Den Zahn möglichst bald – innerhalb von 30 Minuten – in das Nährmedium der Zahnrettungsbox umlagern! Den Zahn vor Wiedereinpflanzen mindestens 30 Minuten in dem Nährmedium der Zahnrettungsbox aufbewahren!

Wissenschaftliche Untersuchungen an der Universität Gießen haben ergeben, daß die Zellen im Zahnhaltegewebe von Zähnen, die im Medium der Zahnrettungsbox gelagert wurden, in diesem Medium mindestens 24-48 Stunden bei Zimmertemperatur überleben. Trotzdem soll sofort ein Zahnarzt aufgesucht werden, wenn ein Zahn ausgeschlagen ist.Die Zahnrettungsbox eignet sich auch, um abgeschlagene Zahnbruchstücke zum Zahnarzt zu transportieren. Dieser kann sie mit Spezialkunststoff wieder ankleben. Die Bruchstücke müssen aber feucht gehalten werden.

Die Zahnrettungsbox enthält ein spezielles Zellnährmedium, wie es ähnlich auch beim Organtransport eingesetzt wird. Ein besonderer Zusatz ermöglicht eine Haltbarkeitsdauer von 3 Jahren bei Zimmertemperatur. Die Zahnrettungsboxen SOS Zahnbox und Dentosafe sind in Deutschland in Apotheken sowie in Österreich und der Schweiz erhältlich.


Die Informationen wurden von PD Dr. Yango Pohl vom Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Bonn zusammengestellt. Dr. Yango Pohl forscht auf dem Gebiet der Replantation bei Zahntraumen.

  • Weitere wichtige Informationen finden Sie auf der Internetseite zahnunfall.de